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Asunción

Diktatorenromane sind ein südamerikanisches Genre. Vargas Llosas „Fest des Ziegenbocks“, Lezama Limas „Gespräche in der Kathedrale“ und auch Roa Bastos „Ich der Allmächtige“ sind die herausragenden Werke dieses Genres. Dabei erzählt Roa Bastos aus der Frühzeit seines Heimatlandes Paraguay und der Diktatur des José Gaspar Rodríguez de Francia. Doch Vorsicht: Es ist kein Historienroman, keine Biografie, keine lineare Erzählung über das Werden, Sein und Scheitern eines Diktators, sondern ein Roman, der auf mehreren Ebenen erzählt, diese Ebenen nicht klar von einander abgrenzt, unterscheidet. Roa Bastos nimmt den Leser nicht an den Hand und führt ihn durch die Geschichte, sondern lässt die Geschichte, den Diktator, seine Anhänger und Widersacher berichten – in einer sehr komplexen, verwobenen Struktur, die den Einstieg in das Werk nicht leicht macht, wenn nicht sogar abschreckt. Wenn man sich in die Erzählweise des Autors eingefunden hat, entschädigt dieser mit einer grandiosen Sprachgewalt, die sich gegen die Gewalt des Diktators stemmt.
Wer einen Historienroman über Diktaturen in Südamerika oder die Geschichte des Kontinents vorzieht, der ist mit Vargas Llosas Ziegenbock oder „Der Krieg am Ende der Welt“ besser beraten.

Diktatorenromane

Fast alle Staaten Mittel- und Südamerikas erlebten und durchlebten ihre Zeit der Diktatur, was auch Einfluss auf die Literatur in jener Region hat. „Diktatorenromane“ ist ein südamerikanisches Genre, das sich mit den Lebenswegen der Diktatoren auseinandersetzt und dabei das Verhältnis von Macht zur Freiheit reflektiert, sich den Mitteln zur Machterhaltung, Repression und Widerstand nähert, aber auch Biografien vorstellt.

Die bekanntesten Werke in diesem Genre sind „Das Fest des Ziegenbocks“ (La Fiesta del Chivo) des Literaturnobelpreisträgers Mario Vargas Llosa und „Ich der Allmächtige“ (Yo El Supremo) von Augusto Roa Bastos. Letzterer beschäftigt sich mit dem Leben des paraguayanischen Diktators José Gaspar Rodríguez de Francia, der von 1814 bis 1840 in Asunción herrschte.

Frau K. und Pocahontas

Eine Novelle.

Frau K. ist die Frau des Posthalters in einem kleinen 300-Seelen-Dorf in der katholischen Provinz im Nachkriegsdeutschland. Sie sortiert die Post, betrachtet sie, es sind ihre Nachrichten aus der großen, weiten, fernen Welt, die im Kreisstädtchen, elf Kilometer entfernt, bereits endet. Hin und wieder ein Care-Paket aus Amerika. Nichts aufregendes, wenn nicht vor drei Jahren ein Dichter in den Weiler gezogen sei, der ein Werk schreibt, das verboten werden soll.

Die Heimat in der Weltliteratur

„Freitag, 28. Mai., 6:40 Uhr, Sonnig, +16° C. Wir fahren früh um 7 nach Saarburg. D. h. wir steigen Station Perdenbach aus da soll evtl. noch eine Wohnung in neugebauten Häusern frei sein. Es war aber nicht wahr! – Schön ist dieses Trassem übrigens nicht. Halt “eine porage!“. Aber die Landstraße zw. Trassem und Saarburg ist prächtig!“

Alice Schmidt: „Tagebuch aus dem Jahr 1954“. Herausgegeben von Susanne Fischer. Berlin: 2005.

Kastel, 1954.

Anfang der Fünfzigerjahre lebte Arno Schmidt in Kastel, ein Dorf mit steilem Abhang zur Saar, grandiosem Ausblick über das rebenbewachsene Tal, mit dem Sarkophag des Blinden Königs und dem seligen Angedenken an einen Eremiten. Seine Frau Alice schrieb in dieser Zeit Tagebuch. Die Jahre 1954, 1955 und 1956 wurden in den vergangenen Jahren von Susanne Fischer editiert und geben einen erstaunlichen Einblick in das Leben in meiner Heimat und Begebenheiten, an die sich auch noch mein Vater erinnern kann – inklusive des Postboten Kees‘, dessen Frau danach die Poststelle in Kastel übernahm. Anschließend gab es eine Darlegung verschiedener Verwandtschaftsbeziehungen von und nach Kees und warum der Name Schmidt einfach nicht in das 400-Seelen-Dorf passen konnte. Nach einer gerichtlichen Auseinandersetzung verließ Schmidt den Abgrund des Saargaus und zog nach Darmstadt. Im August 1955.

Schmidt, Alice: Tagebuch aus dem Jahr 1954. Suhrkamp.

„Abmelden“. 1. Kapitel.

Ein Auszug aus dem ersten Kapitel des Romans „Abmelden“:

Sie räumt auf, verfrachtet die benutzten Utensilien in die Spülmaschine, wischt die Küche sauber, als wäre nichts geschehen, und gönnt sich eine Ruhepause, eine verdiente Ruhepause, wie sie findet, wie sie danach sich sehnt, wie es es nun haben will. „Der ist fertig und kann eine Stunde abkühlen, bis Mutter kommt.“ Müdigkeit befällt sie, es ist keine Zufriedenheit, sondern einfach nur Müdigkeit, eine schwere, bleierne Müdigkeit, die an ihr zieht. Sie setzt sich auf ihren Platz am Küchentisch. Regungslos starrt sie in die Zeit, die verstreicht, die Minuten, die verrinnen, die Sekunden, die tickend zur Vergangenheit werden. Leere. Keine Erinnerungen. Keine Gedanken. Keine Bilder. Einfach nur das Ticken der Eieruhr, das ihr bewusst macht, das Zeit vergeht. Fünfzig Minuten. Nach Backanleitung. „Ob das wohl stimmt“, fragt sie sich, „da werde ich wohl öfter nachschauen und kontrollieren müssen.“ Dabei möchte sie einfach nur sitzen bleiben und zuhören, wie die Zeit verrinnt. Ziellos. Ihr Körper hält sie an ihrem Platz, an ihrer Stelle in diesem Gefüge fest. Es dufte nach frisch gebackener Apfeltorte. Das gefällt ihr. Wiederum.

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