Asunción

Diktatorenromane sind ein südamerikanisches Genre. Vargas Llosas „Fest des Ziegenbocks“, Lezama Limas „Gespräche in der Kathedrale“ und auch Roa Bastos „Ich der Allmächtige“ sind die herausragenden Werke dieses Genres. Dabei erzählt Roa Bastos aus der Frühzeit seines Heimatlandes Paraguay und der Diktatur des José Gaspar Rodríguez de Francia. Doch Vorsicht: Es ist kein Historienroman, keine Biografie, keine lineare Erzählung über das Werden, Sein und Scheitern eines Diktators, sondern ein Roman, der auf mehreren Ebenen erzählt, diese Ebenen nicht klar von einander abgrenzt, unterscheidet. Roa Bastos nimmt den Leser nicht an den Hand und führt ihn durch die Geschichte, sondern lässt die Geschichte, den Diktator, seine Anhänger und Widersacher berichten – in einer sehr komplexen, verwobenen Struktur, die den Einstieg in das Werk nicht leicht macht, wenn nicht sogar abschreckt. Wenn man sich in die Erzählweise des Autors eingefunden hat, entschädigt dieser mit einer grandiosen Sprachgewalt, die sich gegen die Gewalt des Diktators stemmt.
Wer einen Historienroman über Diktaturen in Südamerika oder die Geschichte des Kontinents vorzieht, der ist mit Vargas Llosas Ziegenbock oder „Der Krieg am Ende der Welt“ besser beraten.

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