Archiv der Kategorie: Bücherstapel

Es ist der Stapel der zu lesenden Bücher, der sich immerfort auf- und abbaut.

Diktatorenromane

Fast alle Staaten Mittel- und Südamerikas erlebten und durchlebten ihre Zeit der Diktatur, was auch Einfluss auf die Literatur in jener Region hat. „Diktatorenromane“ ist ein südamerikanisches Genre, das sich mit den Lebenswegen der Diktatoren auseinandersetzt und dabei das Verhältnis von Macht zur Freiheit reflektiert, sich den Mitteln zur Machterhaltung, Repression und Widerstand nähert, aber auch Biografien vorstellt.

Die bekanntesten Werke in diesem Genre sind „Das Fest des Ziegenbocks“ (La Fiesta del Chivo) des Literaturnobelpreisträgers Mario Vargas Llosa und „Ich der Allmächtige“ (Yo El Supremo) von Augusto Roa Bastos. Letzterer beschäftigt sich mit dem Leben des paraguayanischen Diktators José Gaspar Rodríguez de Francia, der von 1814 bis 1840 in Asunción herrschte.

Kastel, 1954.

Anfang der Fünfzigerjahre lebte Arno Schmidt in Kastel, ein Dorf mit steilem Abhang zur Saar, grandiosem Ausblick über das rebenbewachsene Tal, mit dem Sarkophag des Blinden Königs und dem seligen Angedenken an einen Eremiten. Seine Frau Alice schrieb in dieser Zeit Tagebuch. Die Jahre 1954, 1955 und 1956 wurden in den vergangenen Jahren von Susanne Fischer editiert und geben einen erstaunlichen Einblick in das Leben in meiner Heimat und Begebenheiten, an die sich auch noch mein Vater erinnern kann – inklusive des Postboten Kees‘, dessen Frau danach die Poststelle in Kastel übernahm. Anschließend gab es eine Darlegung verschiedener Verwandtschaftsbeziehungen von und nach Kees und warum der Name Schmidt einfach nicht in das 400-Seelen-Dorf passen konnte. Nach einer gerichtlichen Auseinandersetzung verließ Schmidt den Abgrund des Saargaus und zog nach Darmstadt. Im August 1955.

Schmidt, Alice: Tagebuch aus dem Jahr 1954. Suhrkamp.