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„Abmelden“. 1. Kapitel.

Ein Auszug aus dem ersten Kapitel des Romans „Abmelden“:

Sie räumt auf, verfrachtet die benutzten Utensilien in die Spülmaschine, wischt die Küche sauber, als wäre nichts geschehen, und gönnt sich eine Ruhepause, eine verdiente Ruhepause, wie sie findet, wie sie danach sich sehnt, wie es es nun haben will. „Der ist fertig und kann eine Stunde abkühlen, bis Mutter kommt.“ Müdigkeit befällt sie, es ist keine Zufriedenheit, sondern einfach nur Müdigkeit, eine schwere, bleierne Müdigkeit, die an ihr zieht. Sie setzt sich auf ihren Platz am Küchentisch. Regungslos starrt sie in die Zeit, die verstreicht, die Minuten, die verrinnen, die Sekunden, die tickend zur Vergangenheit werden. Leere. Keine Erinnerungen. Keine Gedanken. Keine Bilder. Einfach nur das Ticken der Eieruhr, das ihr bewusst macht, das Zeit vergeht. Fünfzig Minuten. Nach Backanleitung. „Ob das wohl stimmt“, fragt sie sich, „da werde ich wohl öfter nachschauen und kontrollieren müssen.“ Dabei möchte sie einfach nur sitzen bleiben und zuhören, wie die Zeit verrinnt. Ziellos. Ihr Körper hält sie an ihrem Platz, an ihrer Stelle in diesem Gefüge fest. Es dufte nach frisch gebackener Apfeltorte. Das gefällt ihr. Wiederum.